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<title>Julius Gehrum</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Julius Gehrum</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Julius Gehrum</b> (* <a href="14._Februar" title="14. Februar">14. Februar</a> <a href="1889" title="1889">1889</a> in <a href="Tiefenbronn" title="Tiefenbronn">Tiefenbronn</a>; † <a href="10._November" title="10. November">10. November</a> <a href="1947" title="1947">1947</a> in <a href="Stra%C3%9Fburg" title="Straßburg">Straßburg</a>) war ein deutscher Polizist, der der <a href="Geheime_Staatspolizei" title="Geheime Staatspolizei">Gestapo</a> zuletzt als <a href="Polizeikommissar" title="Polizeikommissar">Kriminalkommissar</a> angehörte und 1947 <a href="Hinrichtung" title="Hinrichtung">hingerichtet</a> wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Julius Gehrum wuchs in <a href="Tiefenbronn" title="Tiefenbronn">Tiefenbronn</a> als Sohn einer in der Landwirtschaft tätigen Familie auf. Sein Vater war außerdem Goldarbeiter, so lernte er nach der <a href="Volksschule" title="Volksschule">Volksschule</a> zunächst auch den Beruf des <a href="Goldschmied" title="Goldschmied">Goldschmieds</a> und arbeitete anschließend in der Schmuckindustrie von <a href="Pforzheim" title="Pforzheim">Pforzheim</a>. Nach dem Militärdienst von 1909 bis 1911, den er beim <a href="1._Badisches_Leib-Grenadier-Regiment_Nr._109" title="1. Badisches Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109">1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109</a> in Karlsruhe abgeleistet hatte, wurde er im <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkrieg</a> als <a href="Grenadier" class="mw-redirect" title="Grenadier">Grenadier</a> eingezogen. Er kämpfte an der <a href="Westfront_(Erster_Weltkrieg)" title="Westfront (Erster Weltkrieg)">Front</a> in Frankreich und überstand den Weltkrieg ohne größere Verwundungen, zuletzt als <a href="Offiziersstellvertreter" title="Offiziersstellvertreter">Offiziersstellvertreter</a>. Er wurde für seinen Einsatz mit beiden Klassen des <a href="Eisernes_Kreuz" title="Eisernes Kreuz">Eisernen Kreuzes</a>, der <a href="Tapferkeitsmedaille" class="mw-disambig" title="Tapferkeitsmedaille">Tapferkeitsmedaille</a> sowie der <a href="Milit%C3%A4r-Karl-Friedrich-Verdienstorden#Karl_Friedrich-Militär-Verdienstmedaille" title="Militär-Karl-Friedrich-Verdienstorden">badischen Verdienstmedaille</a> ausgezeichnet.
</p><p>Ab 1926 begann Gehrum, für die Gendarmerie in <a href="Bad_Krozingen" title="Bad Krozingen">Krozingen</a> als <a href="Wachtmeister" title="Wachtmeister">Wachtmeister</a> zu arbeiten. In <a href="St._M%C3%A4rgen" title="St. Märgen">St. Märgen</a> wurde er zum Obergendarmerie-Wachtmeister befördert. Zum 1. Mai 1933 trat er der <a href="Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei" title="Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei">NSDAP</a> bei (<a href="Liste_von_NSDAP-Parteimitgliedsnummern" title="Liste von NSDAP-Parteimitgliedsnummern">Mitgliedsnummer</a> 2.835.321).<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Daraufhin wurde er am 1. Juni 1934 zur Gestapo abgeordnet, wo er bereits 17 Tage später zum Leiter der Gestapo in <a href="Kehl" title="Kehl">Kehl</a> ernannt wurde. 1937 trat er der <a href="Schutzstaffel" title="Schutzstaffel">SS</a> bei (SS-Nummer 307.930), er wurde direkt zum <a href="SS-Hauptsturmf%C3%BChrer" title="SS-Hauptsturmführer">SS-Hauptsturmführer</a> ernannt. Im November 1938 wurde er Kriminalinspektor. In diesen beiden Funktionen war er federführend an der Durchführung der <a href="Novemberpogrome_1938" title="Novemberpogrome 1938">Reichspogromnacht</a> in Kehl beteiligt, bei der die Synagoge von Kehl verwüstet wurde. Gehrum ließ auch die Wohnungen von Juden stürmen und verwüsten. Die Männer wurden in die Stadthalle verschleppt, wo sie gefoltert und misshandelt wurden, bis sie zum Bahnhof getrieben wurden, wo der direkte Abtransport ins <a href="KZ_Dachau" title="KZ Dachau">Konzentrationslager Dachau</a> erfolgte.
</p><p>Am 25. Juni 1940 wurde Gehrum nach Straßburg versetzt, wo er als Leiter der Gestapo-Sektion III eingesetzt wurde. Damit war er verantwortlich für die Verfolgung von <a href="Liste_von_Widerstandsk%C3%A4mpfern_gegen_den_Nationalsozialismus" title="Liste von Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus">Widerstandskämpfern</a>. Die Gestapo-Sektion war gefürchtet und war beteiligt an der Ermordung zahlreicher Mitglieder der <a href="R%C3%A9seau_Alliance" title="Réseau Alliance">Réseau Alliance</a>. Als die <a href="Alliierte" title="Alliierte">Alliierten</a> 1944 kurz vor Straßburg waren, setzte er einen letzten Befehl um, alle verbliebenen inhaftierten Mitglieder der Réseau Alliance hinzurichten. Die planmäßige Ermordung wurde später als „<a href="Schwarzw%C3%A4lder_Blutwoche" title="Schwarzwälder Blutwoche">Schwarzwälder Blutwoche</a>“ bezeichnet. Zusammen mit <a href="Karl_Buck" title="Karl Buck">Karl Buck</a> war er damit als Auftraggeber verantwortlich für die Ermordung von mehr als 70 Personen, unter anderem in <a href="Offenburg" title="Offenburg">Offenburg</a>, <a href="Kehl" title="Kehl">Kehl</a>, <a href="Rastatt" title="Rastatt">Rastatt</a>-Plittersdorf, <a href="Pforzheim" title="Pforzheim">Pforzheim</a>, <a href="Gaggenau" title="Gaggenau">Gaggenau</a> und <a href="B%C3%BChl" title="Bühl">Bühl</a>.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gehrum selbst beteiligte sich persönlich an mehreren Exekutionen.
</p><p>Nach dem <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieg</a> versuchte Gehrum sich abzusetzen, wurde jedoch am 5. November 1945 von französischen Truppen festgesetzt. Nachdem er zunächst in einem anderen Verfahren als Zeuge aussagen musste, wurde er am 13. März 1947 wegen Körperverletzung und <a href="Beihilfe_(Strafrecht)" title="Beihilfe (Strafrecht)">Beihilfe</a> zum <a href="Mord" title="Mord">Mord</a> zusammen mit zahlreichen weiteren Angeklagten vor das <a href="Milit%C3%A4rgericht" title="Militärgericht">Militärgericht</a> in Straßburg gestellt. Am 17. Mai 1947 wurden er sowie Paul Stasik und Reinhard Brunner als Haupttäter zum Tode verurteilt. Die <a href="Todesstrafe_in_Frankreich" title="Todesstrafe in Frankreich">Todesstrafe</a> wurde am 10. November 1947 in Straßburg vollzogen.
</p><p>Am 16. Juli 1948 wurde Gehrums Fall von der <a href="Spruchkammerverfahren" title="Spruchkammerverfahren">Spruchkammer</a> Freiburg erneut aufgegriffen. In der Urteilsbegründung wurde er als „großer Terrorist“ bezeichnet und als Hauptschuldiger eingeordnet. Seine Witwe stellte 1952 ein Gnadengesuch beim Badischen Staatskommissariat für politische Säuberung. Gehrums Einstufung als Hauptschuldiger wurde zwar nicht widerrufen, allerdings erhielt die Witwe einen monatlichen Betrag von 120 DM.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Eva-Maria Eberle: <cite style="font-style:italic">Gehrum: Als großer Terrorist bekannt</cite>. In: <a href="Wolfgang_Proske" title="Wolfgang Proske">Wolfgang Proske</a> (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Täter, Helfer, Trittbrettfahrer.NS-Belastete aus Nordbaden + Nordschwarzwald</cite>. Kugelberg Verlag, 2017, ISBN 978-3-945893-08-1, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>73–84</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Julius+Gehrum&rft.atitle=Gehrum%3A+Als+gro%C3%9Fer+Terrorist+bekannt&rft.au=Eva-Maria+Eberle&rft.btitle=T%C3%A4ter%2C+Helfer%2C+Trittbrettfahrer.NS-Belastete+aus+Nordbaden+%2B+Nordschwarzwald&rft.date=2017&rft.genre=book&rft.isbn=9783945893081&rft.pages=73-84&rft.pub=Kugelberg+Verlag" style="display:none"> </span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.pfenz.de/wiki/Julius_Gehrum">Julius Gehrum</a> im Stadtwiki Pforzheim</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/wlbblb_personen/1140262181/Gehrum%20Julius">Julius Gehrum</a> auf <a href="LEO-BW" title="LEO-BW">LEO-BW</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/10511615</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Sibylle Kranich: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://bnn.de/mittelbaden/ortenau/offenburg/warum-die-nazis-kurz-vor-ihrem-ende-noch-eine-blutspur-durch-baden-legten"><i>Schwarzwälder Blutwoche: Die Nazis legten kurz vor ihrem Ende noch eine Blutspur durch Baden.</i></a> In: <i>Badische Neueste Nachrichten.</i> 29. November 2024,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 16. Dezember 2024</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AJulius+Gehrum&rft.title=Schwarzw%C3%A4lder+Blutwoche%3A+Die+Nazis+legten+kurz+vor+ihrem+Ende+noch+eine+Blutspur+durch+Baden&rft.description=Schwarzw%C3%A4lder+Blutwoche%3A+Die+Nazis+legten+kurz+vor+ihrem+Ende+noch+eine+Blutspur+durch+Baden&rft.identifier=https%3A%2F%2Fbnn.de%2Fmittelbaden%2Fortenau%2Foffenburg%2Fwarum-die-nazis-kurz-vor-ihrem-ende-noch-eine-blutspur-durch-baden-legten&rft.creator=Sibylle+Kranich&rft.date=2024-11-29"> </span></span>
</li>
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